Geschichte

Obstbaugeschichtliches

Das Landschaftsbild unseres Dorfes ist von dem mit Obstbäumen bestandenen Südhang geprägt (s. Titelbild und Bild1 unten). Durch diese günstige Lage bedingt, hat der Obst- und Weinbau in Neckarhausen eine lange geschichtliche Entwicklung aufzuweisen, waren es doch die Römer, die in unserer Gegend die vorhandenen Obstwildlinge veredelten. Warum die Römer ihren hiesigen Gutshof aber über dem Neckar drüben an dem kalten Nordhang erstellten, ist uns nur schwer verständlich.

 

Neckarhausen mit seinen "Südsteilhängen"

 

Die große Rolle des Weinbaus in unserer Gemeinde läßt sich noch an den alten Flurnamen feststellen und an der Tatsache, dass bereits im Jahr 1503 eine Kelter erbaut wurde. Das Ende des rund 400 jährigen Weinbaus lag bestimmt nicht an der schlechten Qualität des Weines oder an dem zu kleinen Durst der Neckarhäuser, denn an unseren Südsteilhängen wäre auch heute noch ein guter Tropfen zu erzeugen. Grund wird wohl der mit weniger Risiko verbundene Ackerbau auf den gut bearbeitbaren Böden unseres Feldes gewesen sein. Das endgültige Aus für den Weinbau brachte die um 1850 abgebrannte Kelter.

Zwischenzeitlich hatte der Obstbau an Bedeutung gewonnen, zudem 1744 das bis dahin verbotene Mosten erlaubt wurde. Selbst der Polarwinter von 1879-1880 in dem 13 % aller Äpfelbäume erfroren, konnte die Ausdehnung des Obstbaus nicht aufhalten.

Gründung

"Und wenn ich wüßte, dass morgen die Welt unterginge, so pflanzte ich heute noch ein Apfelbäumchen."

An diese Worte Martin Luthers könnten wohl einige Bürger von Neckarhausen gedacht haben, als sie in der trostlosen Zeit nach dem 1. Weltkrieg, trotz Inflation und der politischen Unsicherheit Deutschlands, im Jahre 1922 beschlossen einen Obstbauverein zu gründen.

Die Gründungsversammlung fand Anfang des Jahres 1922 im "Jägerhaus" bei K. Kofler statt, Gottlieb Bauknecht wurde als Vorstand gewählt. Bereits im Herbst des gleichen Jahres fand, in dem inzwischen zum Vereinslokal gewordenen "Jägerhaus" bei Mitglied K.Kofler eine gut besuchte Obstausstellung statt. Die Anpflanzung ertragreicher Mostobstsorten, sowie der Versuch ein gutes Tafelobst zu erzeugen waren Hauptziele des jungen Vereins, so dass er bald 40 Mitglieder zählte.

1945 beim Umsturz wußte niemand genau wie die Vereinsmitgliedschaft von den Besatzungsmächten beurteilt würde. Es wurden deshalb leider sämtliche Vereinsakten einschließlich der Mitgliederlisten vernichtet.

Neugründung

Nach den überstandenen Nachkriegswirren, stand einer Neugründung unter dem Namen "Obst-und Gartenbauverein Neckarhausen" nichts mehr im Wege. Diese fand am 20.4.1948 statt. der Vorstand des damaligen Bauernvereins Gottlob Ebinger sprach über Aufgaben und Ziele des zu gründenden Vereines. Als Vorstand wurde von ihm vorgeschlagen: Gottlob Bauknecht, Hofwiesenstraße und von den 60 bis 70 Anwesenden mit großer Mehrheit gewählt. Am selben Abend traten 63 Personen dem Verein bei.

Die folgenden Jahre waren ganz der Pflege des Streuobstbaues gewidmet, bis sich 1958 7 Grundstücksbesitzer entschlossen, im "Hirschbrunnen" eine 1 Hektar große Neuanlage zu errichten. 1963 wurde im "Quätler" eine Niederstamm Obstanlage mit Längskronenerziehung erstellt und in den Jahren darauf als Engpflanzung, schlanke Spindel, erweitert.

1970 trat Gottlob Bauknecht nach 22 jähriger Tätigkeit als Vorstand zurück. Sein Nachfolger wurde Landschaftsgärtner Gerhard Jetter. Seit 1977 ist neben dem Obstbau auch die Durchführung des Blumenschmuckwettbewerbes in Neckarhausen eine Hauptaufgabe des damals 90 Mitglieder zählenden Vereins geworden.

(Dieses Geschichtsdarstellung wurde als Vorwort zur Vereinschronik, anlässlich der 700 Jahrfeier von Neckarhausen im Jahre 1984 von Walter Bauknecht niedergeschrieben)

Neuere Geschichte

Gerhard Jetter gab sein Amt als Vereinsvorstand nach 30 Jahren im Jahre 2000 an Adolf Kern ab. Im Jahre 2003 wiederum übernahm Jürgen Kral das Amt des Vereinsvorstandes.

Der Rückgang der Streuobstwiesen in unserem Landschaftsraum und die geringer werdende Bedeutung des Obstbaus als Erwerbsquelle für die ländliche Bevölkerung, stellen den Verein heute vor große Herausforderungen. Diesen Herausforderungen will sich der Verein, insbesondere der Vereinsausschuss aber mit großem Engagement stellen.

Ausdruck dieses Engagements ist nicht zuletzt die Investition in mittlerweile 2 Vereinswiesen, auf denen der Streuobstbau und alles was damit zusammenhängt, praktiziert wird. Wissen und praktische Hinweise werden der Neckarhäuser Bevölkerung regelmäßig in Schnittkursen, Sensenmähwettbewerben und Pflegekursen für den Hausgarten nahegebracht.